Kurze Geschichte Portugals: Die Phönizier in Portugal

Auch wenn man davon ausgeht dass die ersten Schiffe der Phönizier (Fenícios) bereits gegen 1100 v. Chr. die iberische Halbinsel erreichten, so können die ersten Kolonien dieses Volkes erst im 7. Jahrhundert v. Chr. in Portugal nachgewiesen werden. Vermutlich hängt dies damit zusammen dass Portugal erst gegen des 7. Jahrhundert v. Chr. entsprechend entwickelt war um auch für den Mittelmeerhandel wirklich interessant zu sein.
 
Da die Algarve gegen 700 v. Chr. von den Conio (Cónios) dominiert war, ist es unwahrscheinlich dass die Phönizier bei ihrer Ankunft in der Lage waren zahlreiche Kolonien zu gründen oder eine größere Fläche einzunehmen, sondern sich auf wenige Stellen beschränken mussten. Die erste bedeutendste Ansiedlung der Phönizier war vermutlich die Stadt Tavira, wo man noch heute Reste dieser Kultur finden kann, unter anderem eine Mauer, einen Altar, eine Amphore und anderes mehr. Tavira wurde möglicherweise sogar von den Phöniziern gegründet um von hier aus Handel im südlichen Portugal zu betreiben.

Der Fluss Gilão in Tavira
Foto: Herbert Kårlin

Dass Tavira ein Zentrum der Phönizier war, wird dadurch gestärkt da man vorher an der gleichen Stelle bereits die Ankunft der Griechen (Gregos) belegen kann und die Phönizier sehr häufig griechische Kolonien übernahmen, sich in der Regel an Flussmündungen niederließen und in Tavira mit dem Fluss Río Gilão und der vorgelagerten Insel Praia da Ilha de Tavira alle Voraussetzungen erfüllt wurden, die die Phönizier an ihre Städte stellten, da der Handel sich dadurch, über Flüsse, auch ins Hinterland erstrecken konnte.
 
Mit den Phöniziern kamen auch Wein (vinho), Olivenöl (azeite) und der Anbau von Leinen erstmals nach Portugal, wobei Wein und Olivenöl jedoch überwiegend eine Genuss- und eine Handelsware waren und daher auch nur an Teilen der Algarve benutzt wurde. Bedeutender war jedoch dass die Phönizier auch die Verarbeitung von Kupfer (cobre) und Eisen (ferro) in Portugal einführten und erstmals Keramik (cerámica) in größerem Umfang herstellten. Die Küste bot den Phöniziern gleichzeitig Muscheln (mariscos), die sie als Farbstoff anwenden konnten.
 
Als in den 80er Jahren Ausgrabungen an der ursprünglichen Mündung des Tejo durchgeführt wurden, konnte man auch hier feststellen dass die Phönizier an dieser Stelle eine Kolonie gegründet hatten, auch wenn diese Funde vor allem archäologische Bedeutungen haben, da es sich nur um kleinere Fundstücke handelte, die indes jedoch teilweise auch mit phönizischen und griechischen Schriftzeichen versehen sind.
 
Etwas im Hinterland, in der Nähe eines früheren Erzbergwerks, konnten Archäologen auch Pfeilspitzen finden, die bis zum 7. oder auch 8. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, was darauf hinweist dass die Phönizier von hier aus auch Eisen verarbeiteten und exportierten. Man geht ebenfalls davon aus dass die Phönizier, wie schon die Griechen, auch ihr politisches und soziales System in Portugal einführten, das einige der iberischen Volksstämme teilweise übernahmen, bevor später die Römer (Romanos) hier ihren deutlichen Stempel hinterließen.